Spielstätten

Schleswig

Das Theater ist wegen Einsturzgefahr abgerissen worden.

Die Interimsspielstätte des Landestheaters ist das Slesvighus

im Lollfuß 89 in Schleswig

Postadresse: Theater Schleswig, Schlossinsel, Haus 4

24837 Schleswig

Neu!!! Kartenvorverkauf und Aboeinzeichnung:

nur an der Theaterkasse im Slesvighus, Lollfuß 89 in Schleswig

Telefon 0 46 21 / 2 59 89  Fax 0 46 21 / 99 65 05

E-Mail kasse.schleswig@sh-landestheater.de

Öffnungszeiten
Mo.- Fr. 9.30 - 13.00 und 16.30 - 18.30 Uhr
Sa. 9.30 - 13.00 Uhr
An Vorstellungstagen 1 Std. vor Vorstellungsbeginn


Das Stadttheater in Schleswig

Belegt ist, dass seit 1618 in Schleswig Theater gespielt wird, wahrscheinlich aber auch schon früher. Im Jahr 1781 gründete der dänische Statthalter  Landgraf Carl von Hessen das Gottorfer Hoftheater, um regelmäßig in den Genuss "theatraler Aufführungen" zu kommen. Seit 1750 wurde im Ballhaus auf der Gottorfer Schlossinsel gespielt. Herzog Johann Adolph hatte es 1614 errichten lassen. Ein Theaterskandal setzte 1807 dem Hoftheater ein jähes Ende. Nachdem im Oktober 1836 das Ballhaus zusammen mit dem Festungswerk des Schlosses abgerissen worden war, wurde von der Stadt Schleswig drei Jahre später ein Theater im Stadtweg 37 eingerichtet.

Knapp 600 Zuschauer fanden Platz, als das Theater im November 1839 mit "Figaros Hochzeit" eingeweiht wurde. Graf Hahn-Neuhaus, ein theaterbegeisterter Adliger, leitete das Stadttheater in den 1840er Jahren, "ruinierte sich jedoch für die Bühne", obgleich 70 Güter einen Rückhalt darstellten, "der etliche Theater verkraftet hätte", wie Theo Christiansen in seinem Buch "Schleswig 1836-1945" schreibt. Im Sommer 1882 erhielt die nunmehrige Pächterin des Theaters, die Konditor-Witwe Cantieny, die amtliche Verfügung, das baufällige Theater zu schließen. Erst im Herbst 1892 wurde das neue Theater in Lollfuß wieder in Betrieb genommen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Hans Polte Direktor des Theaters, der die "Stadttheatergemeinschaft Schleswig-Wismar-Rendsburg" gründete. Im Juli 1911 erschien erstmals der Aufruf zur Gründung eines Verbandstheaters unter der Leitung des Regisseurs Herold. Dieses neue Theater wurde dann allerdings zunächst nur von Husum und Rendsburg getragen, erst 1912 schloss Schleswig sich an. Im August desselben Jahres gastierte Max Reinhardt mit "König Ödipus". Während des Ersten Weltkrieges ging der Theaterbetrieb in Schleswig weiter, wenn auch eingeschränkt. Mit großem persönlichen Engagement wagte Friedrich Herold bereits 1919 auch einen programmatischen Neubeginn.

Im April 1924 wurde die Gründung des Nordmark-Landestheaters für Schleswig und Husum beschlossen. Als erstes Theater in Deutschland erwarb es einen Theateromnibus für bis zu 25 Personen, mit dem, so heißt es bei Christiansen, "eine fröhliche Einweihungsfahrt" nach Husum unternommen wurde. In der ersten Spielzeit gab es 170 Vorstellungen, davon 112 in Schleswig und die übrigen in der Region bis nach Neumünster.

Die wirtschaftliche Not in den dreißiger Jahren brachte auch das Theater in Schwierigkeiten. Schon im September 1930 sank die Zahl der Volksbühnenmitglieder um 300. Die Theaterleitung versuchte, mit intensiver Werbung Abonnenten zu gewinnen - vergebens, der Besucherschwund war nicht mehr aufzuhalten. So beschloss der Magistrat am 4. Oktober 1932, den Theaterbetrieb wegen der schlechten Wirtschaftslage ruhen zu lassen und die Bevölkerung mit Gastspielen zu versorgen.

Im Sommer 1933 war dem neuen Landrat Meyer Quade in Berlin ein Zuschuss für das Theater in Aussicht gestellt worden. Daraufhin beschloss am 3. August der Magistrat, ein eigenes Theater zu eröffnen, zumal Husum die Absicht geäußert hatte, sich dem Zweckverband anzuschließen. Husum jedoch trat 1934 aus und da die vielen bei der Gründung vertretenen Städte nicht bereit zur Übernahme ihrer finanziellen Pflichten waren, funktionierte die Konstruktion der "Norddeutschen Bühne" nicht.

1934/35 erhielt das Theater wieder seinen alten Namen "Nordmark-Landestheater" unter der Leitung des aus Koblenz kommenden Bruno Schönfeld. Schönfeld ging 1936/37 als Schauspieldirektor nach Graz und Paul Kolkwitz vom Innsbrucker Theater wurde zum Intendanten berufen. Sein Nachfolger wurde der Kieler Oberspielleiter Jost Dahmen. Dahmen erreichte den Umbau des Theatersaals und die Beschaffung eines neuen Gestühls. Er geriet wegen der Uraufführung von Anders' "Karriere" am 17.1.1939 in Misskredit und musste sich beim "Landeskulturverwalter" rechtfertigen und erhielt 1939/40 seine Kündigung. Sein Nachfolger wurde Rudolf Hartig. Als Hartig zur Wehrmacht einberufen wurde, hat Frau Gertrud Hoffmann von 1941 an stellvertretend das Theater bis zur Schließung aller Bühnen im September 1944 geführt.

Nach Kriegsende entstand in Schleswig unter der Leitung von Kay Nicolai ein großes Privattheater, in dem viele Theaterschaffende, die es nach Schleswig verschlagen hatte, mitwirkten. Allerdings blieb ihnen das Gebäude des Stadttheaters verwehrt. Erst nachdem die Briten das Haus 1947 freigaben, konnte das "Renaissancetheater" dort Opern, Operette und Schauspiele aufführen. Bald jedoch schränkten finanzielle Probleme aufgrund fehlender öffentlicher Zuschüsse die Möglichkeiten von Theaterdirektor Nicolai erheblich ein. Vergeblich bemühte er sich um eine Zusammenarbeit mit den Bühnen in Rendsburg und Flensburg. Im März 1949 meldete das "Renaissancetheater" Konkurs an. 88 Ensemble-Mitglieder standen auf der Straße.
Erst im Dezember 1950 hob sich der Vorhang wieder. Das Nordmark-Landestheater erwarb sich bundesweit einen glänzenden Ruf. Dieser ist eng verbunden mit den Intendanten Horst Gnekow, Karl Vibach und Horst Mesalla.

Am 3. Juni 1974 wurde der Vertrag geschlossen, der den Grundstein für die heutige "Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester GmbH" legte, verbunden mit einem Sinfonieorchester. Gesellschafter waren insgesamt 20 Städte und Kreise. Standorte waren und sind noch immer Flensburg, Schleswig und Rendsburg. Das Musiktheater einschließlich des Orchesters hat seinen Sitz in Flensburg, das Schauspiel wurde Schleswig und Rendsburg zugeteilt, die Verwaltungszentrale befindet sich in Schleswig. Generalintendant und alleinzeichnungsberechtiger Geschäftsführer Dr. Horst Mesalla hob am 1. August 1974 die "Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester GmbH " aus der Taufe.

Mit Beginn der Spielzeit 2009/10 wurden die Puppentheateraufführungen, die bisher ihre Premieren in den Kammerspielen des Schleswiger Theaters hatten, in einem eigenen Puppentheaterhaus aufgeführt, der "Trauminsel", die aus einem alten Garagengebäude auf dem Gelände des Stadttheaters entstanden ist.

Heute ist das Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester ein modernes Unternehmen mit 323 Beschäftigten und über 600 Vorstellungen pro Spielzeit. Betrieben wird es in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, an der Spitze mit dem General-intendanten und alleinigen Geschäftsführer Peter Grisebach, der die GmbH seit August 2010 leitet.


Verwendete Literatur:
Ein Artikel von Oliver Bruhns, erschienen am 10.9.2004 in den Schleswiger Nachrichten, Theo Christiansen, Schleswig 1936-1945, Herausgeber: Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte

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