2. KAMMERKONZERT

Spielzeitraum: 07.11.2021 - 21.11.2021

Johann Nepomuk Hummel (1778–1837)
Adagio, Variationen und Rondo über das Thema „Schöne Minka” für Flöte, Violoncello und Klavier op. 78

Jacques Offenbach (1819–1880)
Cours méthodique de duos pour deux violoncelles: Grand Duo très difficile g-Moll op. 54 Nr. 1

Leoš Janáček (1854–1928)
„Im Nebel“

Ernst von Dohnányi (1877–1960)
Sextett für Klarinette, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Klavier C-Dur op. 37

Johann Nepomuk Hummel war ein enger Freund Beethovens und Schuberts und wurde als einer der größten europäischen Komponisten und Klaviervirtuosen seiner Zeit gefeiert. Sein Vater sorgte für die erstklassige musikalische Ausbildung des Wunderkindes und arrangierte ein Vorspiel bei Wolfgang Amadeus Mozart, der von dem Talent des neunjährigen Hummels so beeindruckt war, dass er ihn für zwei Jahre bei sich aufnahm und kostenfrei unterrichtete. Hummel wurde Joseph Haydns Nachfolger am Hofe des Fürsten Esterházy und wirkte im Anschluss als Hofkapellmeister in Stuttgart und Weimar. Seine Werke kennzeichnen den Übergang von der Wiener Klassik zur Romantik: Während seine frühen Werke noch ganz dem Vorbild Mozarts folgen, sind seine späten Werke hochromantischer Prägung und stehen ganz im Zeichen des Virtuosentums. Sein Trio op. 78 wurde 1818 in Wien veröffentlicht, als Hummel gerade seine Stelle in Stuttgart aufgegeben hatte, um nach Weimar zu gehen. Es ist ein Variationssatz über das damals sehr populäre ukrainische Volkslied „Schöne Minka, ich muss scheiden“, das die Geschichte eines Kosaken erzählt, der sich mit Treueschwüren von seinem Mädchen verabschiedet, das voller Kummer in der Heimat zurückbleibt.

Bevor Leoš Janáček 1916 mit seiner Oper JENUFA endlich der so lange ersehnte Durchbruch gelang, wurden die davorliegenden Jahre durch psychische und auch physische Krisen bestimmt. Seine Tochter Olga starb 1903, seine Ehe war zerrüttet, seine Werke fanden nicht die gehoffte Anerkennung und er lebte in künstlerischer und persönlicher Isolation. Janáček fasste die schwere Zeit mit den Worten zusammen: „Ich sah in meiner Arbeit keinen Wert mehr und glaubte kaum, was ich sagte. Ich war zu der Überzeugung gelangt, dass niemals jemand Notiz von meiner Arbeit nehmen würde.“ Diese Situation spiegelt sich auch im 1912 komponierten vierteiligen Klavier-Zyklus „Im Nebel“ wider. In sehr atmosphärischen, rätselhaft impressionistischen und hochexpressiven Farben offenbart er Janáčeks Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksmitteln und seine innere Zerrissenheit.

Jacques Offenbach, der heute gemeinhin als Erfinder der Operette gilt, feierte mit seinen gleichermaßen amüsanten wie satirischen Bühnenwerken immense Erfolge. Darüber wird nur allzu oft vergessen, dass Offenbach, bevor er das Theaterleben mit seinen Opéra bouffes auf den Kopf stellte, als Cellist den Damen und Herren der Pariser Salons insbesondere mit seinem virtuosen Spiel in hoher Lage den Atem raubte, sodass diese ihn schnell als „Liszt des Cellos“ bejubelten. Offenbach komponierte zahlreiche Konzertstücke und kammermusikalische Werke für sein Instrument, von denen er einige zusammen mit Franz Liszt, Anton Rubinstein oder Friedrich von Flotow zur Uraufführung brachte. Zwischen 1839 und 1855 entstanden zudem mit dem „Cours méthodique de duos pour deux violoncelles“ sechs Suiten, die in der Reihenfolge ihres Erscheinens von sehr leicht (op. 49) bis sehr schwer (op. 54) eingestuft sind und dabei berücksichtigen, in welcher Reihenfolge üblicherweise die Lagen der linken Hand gelehrt werden. Doch sie sind viel mehr als pädagogische Studien, sie sind echte Kammermusikstücke, zumeist heitere Vignetten von ausgesprochen origineller Form, die ihrem Interpreten nicht nur technische Brillanz abverlangen, sondern auch mit ihrem schier unerschöpflichen melodischen Reichtum beeindrucken.

Ernst von Dohnányi, der Großvater des Dirigenten Christoph und des ehemaligen Hamburger Oberbürgermeisters Klaus von Dohnányi, war nicht nur ein genialer Pianist und großartiges Organisationstalent, dem Ungarn einen beträchtlichen Teil seines modernen Musiklebens verdankt, sondern vor allem auch ein Komponist, der – stilistisch und formal von Brahms geprägt – bedeutende Opern, Sinfonien und Kammermusikwerke schrieb. Das mit Klarinette, Horn, Klavier und Streichtrio ungewöhnlich besetzte und sehr orchestral angelegte Sextett op. 37, das Dohnányi 1935 in Budapest komponierte, lässt neben dem Brahms’schen Einfluss das ganze Stilpanorama der 1930er-Jahre hörbar werden. Klingt im großangelegten und emotional aufgewühlten ersten Satz die Sinfonik Gustav Mahlers an, überrascht der Schlusssatz mit deutlich jazzigen Elementen. So eröffnet das Finale mit einer Art Ragtime für Klarinette und Klavier, dem dann das Streichtrio antwortet. Es ist ein rhythmisch prägnantes Thema, dass Dohnányi in sehr origineller Weise sich mit einem Walzer verschmelzen lässt, der den 2/4 Takt überlagert.

Besetzung

Mit

Termine

2. KAMMERKONZERT - Spielstätten

Stadttheater (Rendsburg)

Domschule (Schleswig)

Museumsberg (Flensburg)